Briinigsflüö und Nessligenblätz. So heissen zwei «Sorgenkinder» zwischen Brünig-Hasliberg und Meiringen. Ihr Charakter: steil, felsig und unberechenbar. Sie liegen direkt über dem Trassee der Zentralbahn. «Wer sich im alpinen Raum bewegt, ist unweigerlich Gefahren ausgesetzt», sagt Christoph Jeckelmann Imhof, Geologe und Verantwortlicher Umwelt und Naturgefahren bei der Zentralbahn. «So ist auch mehr als die Hälfte des Zentralbahn-Netzes durch Naturgefahren bedroht.» Mit Folgen. Die Brüniglinie beispielsweise wurde im letzten Jahrhundert im Schnitt mindestens einmal jährlich durch Steinschläge und Lawinenniedergänge unterbrochen.

Viel in Sicherheit investiert

Bei der Zentralbahn hat die Sicherheit oberste Priorität. Deshalb investiert das Unternehmen viel in den Schutz vor Naturgefahren. Allein in den vergangenen fünf Jahren wurden 11,5 Millionen Franken für die Instandsetzung und den Bau neuer Schutzbauwerke aufgewendet. Aber weil die Umsetzung baulicher Massnahmen sehr kostspielig ist und sich nicht alle Gefahrenstellen nachhaltig mit Stahl und Beton entschärfen lassen, werden zunehmend organisatorische Massnahmen sowie Überwachungs- und Alarmsysteme gefördert. Die Zentralbahn setzt in erster Linie auf Prävention, sagt Jeckelmann Imhof: «Es darf nicht sein, dass die Ereignisse schneller sind als wir. Deshalb müssen wir agieren und nicht erst reagieren, wenn die Gleise verschüttet oder überflutet sind.»

Ganzheitliches Konzept

Seit 2017 handelt die Zentralbahn nach dem Konzept des Integralen Risikomanagements des Bundes. Dieser ganzheitliche Ansatz berücksichtigt alle Naturgefahren, bezieht alle Betroffenen ein und kombiniert alle Arten von Massnahmen optimal. Damit wird unter anderem sichergestellt, dass die Massnahmen ökologisch vertretbar und ökonomisch verhältnismässig sind «und nicht blind drauflos betoniert wird», wie Geologe Jeckelmann Imhof sagt. Das wichtigste Ziel des Risikomanagements von Naturgefahren ist der Schutz von Menschenleben und dass Sachschäden so weit möglich reduziert werden. «Das ist eine grosse Herausforderung», gibt Jeckelmann Imhof zu, «denn die Natur lässt sich nicht mit einfachen Lösungen beherrschen.»  

Bauen und überwachen

Um einen sicheren Betrieb zu gewährleisten, hat die Zentralbahn in den letzten Jahren ein umfassendes Massnahmenpaket umgesetzt. Allein auf der Brünig Südrampe wurde seit 2022 die Sicherheit gegenüber Stein- und Blockschlag nachhaltig verbessert, indem 33 neue Schutzbauwerke realisiert wurden. Auf einer Länge von über 1'400 Metern wurden neue Schutznetze und ein Damm erstellt, welche Sturzereignisse mit hoher Energie auf-fangen und zurückhalten können. Bei Kaiserstuhl und entlang des Brienzersees wurden aufwändige Detektions- und Alarmsysteme installiert, um Bahnstrecke und Strasse besser vor Lawinen zu schützen. Diese technischen Anlagen können zwar nicht verhindern, dass eine Lawine beispielsweise eine Brücke zerstört. Aber sie gewährleisten den Schutz der Menschen, indem der Verkehr bei Lawinenniedergängen rechtzeitig gestoppt werden kann. Die Zentralbahn fördert auch gezielt die Schutzwaldpflege, was langfristig die wirksamste Investition zum Schutz vor Naturgefahren ist. Nicht zuletzt hängt der Erfolg aller Massnahmen massgebend von den involvierten Mitarbeitenden des Unterhalts ab. Regelmässige Schulungen und der interne Austausch sind daher wichtige Bestandteile der Prävention.  

Es bleibt anspruchsvoll

Dank integralem Risikomanagement und vielen Massnahmen ist die Zentralbahn erheblich sicherer geworden. «Wir konnten die Naturrisiken in den vergangenen Jahren nachhaltig reduzieren», freut sich Christoph Jeckelmann Imhof. «Aber: ein Restrisiko bleibt immer bestehen, da sich die Natur nicht restlos zähmen lässt. Daher ist der Umgang mit Naturgefahren eine anspruchsvolle Daueraufgabe.» Dabei gilt nicht das Motto «Es darf nie mehr etwas passieren», sondern‚ «Welchen Schutz können wir zu welchem Preis gewährleisten». 

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