«Nicht jedes Konfetti muss sofort weg.»
Storys13.02.2026Manuel Huber
Sonntagmorgen nach dem Guuggenüberfall: Beim Buffett am Bahnhof Stans feiern noch immer rund 100 Fasnachtsbegeisterte. Mittendrin Franz Rohrer vom Team «Reinigung und Kleinunterhalt» der Zentralbahn. Mit einem Lächeln macht er sich an die Arbeit. Es gibt mehr zu tun als sonst, aber Hochglanz ist nicht nötig, erklärt er gelassen.
Wie präsentiert sich der Bahnhof Stans heute Morgen?
Überraschend sauber. Ziemlich sicher haben die Gemeinde oder die Veranstalter bereits das Gröbste geputzt. Aber es gibt für uns dennoch einiges zu tun. Es war aber schon schlimmer.
Was heisst schlimmer?
Zu Spitzenzeiten, als das Buffet noch eine Beiz war, lag rund um die Fasnacht jeweils extrem viel Abfall herum. Wir karrten Container aufs Perron und schöpften den Müll mit der grossen Schneeschaufel direkt hinein. Es war abartig.
Und welcher Begriff passt heute?
Human. Es hat zwar mehr Abfall als sonst, aber es ist nicht so verheerend, wie ich es erwartet hatte. Hier liegen einige leere Bierdosen und PET-Flaschen herum, dort hat es Verpackungen auf dem Gleis und weiter drüben Erbrochenes – nicht weiter schlimm.
Was fällt heute an Zusatzaufwand an?
Es liegt deutlich mehr Abfall herum als an anderen Tagen. Wir räumen alles auf und leeren auch die Abfalleimer, die voller sind als sonst. Konfettis entfernen wir so gut es geht mit dem Blasgerät.
Bist du froh, dass es nicht geregnet hat?
Ja, sehr sogar, denn bei Regen ist es sieben Mal schlimmer. Dann wird aus den Konfettis und Luftschlangen ein richtiger Brei.
Dann bringt ihr wohl nicht alles sauber.
Nein. Dann nehmen wir nur das Gröbste zusammen. Es ist aber an der Fasnacht allgemein so: Es ist unmöglich und auch nicht das Ziel, ständig jedes Konfetti aufzuputzen. Es ist Fasnachtszeit – da muss man «das Füfi lo grad sii». Wir nehmen vor allem vorzu den herumliegenden Abfall zusammen. Erst am Äschermittwoch machen wir eine grosse Putzete und reinigen die Bahnhöfe gründlich mit der Putzmaschine.
Ist es vor allem der zusätzliche Abfall, der euch rund um die Fasnacht fordert?
Es ist eher das Gesamtpaket. Unser Team kümmert sich nicht nur um die Reinigung der Bahnhöfe, sondern übernimmt auch viele andere Arbeiten. Wir reparieren auch Billettautomaten und Billettentwerter, entfernen tote Tiere vom Gleis, müssen Weichen schmieren und Signalstörungen beheben sowie Parkkontrollen durchführen. Bei Schneefall sind wir auch verantwortlich dafür, dass unsere Kundschaft gut begehbare Perrons vorfindet. Dann heisst es auch mal salzen und Schnee schaufeln.
Das hat nichts mit der Fasnacht zu tun.
Richtig, aber das muss alles auch erledigt werden und hat Priorität. Fasnacht hin oder her.
Wie seid ihr organisiert?
Das Team «Reinigung und Kleinunterhalt» der Zentralbahn hat rund zehn Mitarbeitende. Ich arbeite im Team mit sechs Personen zwischen Sarnen, Luzern Allmend/Messe und Engelberg. Das zweite Team kümmert sich um die Bahnhöfe zwischen Sachseln, Meiringen und Interlaken. Unter der Woche oder zum Beispiel rund um die Fasnacht sind wir meist als Zweier-Teams unterwegs, an den üblichen Wochenenden allein.
An welchen Bahnhöfen entsteht rund um die Fasnacht Mehraufwand?
Vor allem dort, wo in der Nähe Fasnachtsanlässe stattfinden, also in Stans, Sarnen, Alpnach Dorf und Giswil. Im Bahnhof Luzern sind wir nicht für die Reinigung verantwortlich. Aber die Fasnacht wird auch an vielen anderen Bahnhöfen sichtbar, wo Fasnächtler ein- und aussteigen oder sich aufhalten.
Gibt es andere Tage, an denen die Reinigung der Bahnhöfe ähnlich aufwendig ist?
Die Fasnachtszeit ist am intensivsten. Aber an Silvester liegt oft auch viel Abfall herum, vor allem Rückstände von Feuerwerksartikeln und zerbrochenes Glas. Scherben ist etwas vom Schlimmsten und bedeuten viel Zusatzarbeit.
An welchen Fasnachtstagen bist du im Einsatz?
An allen Tagen, aber das ist keine Belastung für mich. Ich stehe kurz vor der Pension und nehme solche Einsätze mittlerweile sehr gelassen.
Es macht Ihnen nichts aus zu arbeiten, während andere Fasnacht feiern?
Nein, gar nichts. Ich war früher auch gerne und oft an der Fasnacht. Im Moment erlebe ich die Fasnacht aus einer anderen Perspektive. Aber nach meiner Pension ist es gut möglich, dass ich am Sonntagmorgen nach dem Guuggenüberfall auch hier am Bahnhof Stans bin und fasnächtle (lacht).
Wie geht es für dich jetzt weiter?
Stans ist bereits der fünfte Bahnhof, den wir heute Morgen reinigen und unterhalten. Sobald wir hier fertig sind, fahren wir mit unserem Lieferwagen weiter Richtung Engelberg. An einem Sonntag wie heute ist das nicht ganz einfach, weil es viel Verkehr hat. Aber auch das schaffen wir.