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zwei Männer am planen

Gut geplant heisst gut verbunden.

Von A nach B über C. Möglichst zur gewünschten Zeit und mit gutem Anschluss. Dafür braucht es viel Vorlauf und Planung. Auch Kundinnen und Kunden dürfen beim Fahrplan mitreden..

Text Manuel Huber | Bild Norbert Nötzli

Zum Beispiel die S4. Früher wendete sie immer in Stans. Der Aufenthalt dort dauerte aber über 30 Minuten. In dieser Zeit stand das Fahrzeug einfach still. Betrieblich war es möglich, dass man die S4 im Stundentakt weiter nach Wolfenschiessen verlängert. Gesagt, getan. So erhielt die Bevölkerung von Dallenwil und Wolfenschiessen einen Halbstundentakt ohne grosse finanzielle Abgeltungen. Wie schaffen es solche Anpassungen in den Fahrplan? Und wie werden aus Ideen konkrete Verbesserungen? Das gelingt mit Kundenorientierung und Weitsicht, aber auch dank einem ständigen Dialog und minutiöser ­Planung. 

Kantone und Bund als Besteller

«Grundsätzlich bestellen die vier Kantone Luzern, Nidwalden, Obwalden und Bern sowie der Bund das Fahrplanangebot», erklärt Roland Christen, Projektkoordinator bei der Zentralbahn. Die Aufwände und die zu erwartenden Erträge werden in einer Offerte zusammengestellt. Die Differenz muss von den sogenannten Bestellerkantonen und vom Bund abgegolten werden. Die Offerte ist jeweils für zwei Fahrplanjahre gültig. «Aus diesem Grund ist der Fahrplan in der Regel immer zwei Jahre gleich, da die Kantone und der Bund kein zusätzliches Budget zur Verfügung haben.» Dazwischen können nur geringfügige Anpassungen umgesetzt werden, die keine Kostenfolgen haben. 

Inputs zum Fahrplan sind willkommen

Letztlich entscheiden die Bestellerkantone und der Bund über das Angebot. Die Fahrgäste können den Fahrplan aber mitgestalten. Die Kundinnen und Kunden sind jeweils im Mai eingeladen, Stellung zum Fahrplan zu nehmen und Änderungswünsche einzugeben. Ihre Inputs können sie auf der Website www.fahrplanentwurf.ch direkt den Kantonen zustellen. «Diese Inputs werden von den Kantonen gesammelt und uns zur Prüfung weitergeleitet», erklärt Christen. «Wir erhalten aber auch direkt von Fahrgästen Inputs. Weitere Verbesserungsvorschläge kommen intern vom Betrieb und von der Ressourcenplanung, die mit kleinen Massnahmen ohne grosse Kostenfolge den Fahrplan optimieren.»

Drei Faktoren sind entscheidend

Nicht alle Wünsche lassen sich realisieren. Damit der Fahrplan erstellt werden kann, sind drei Faktoren entscheidend: Rollmaterial, Infrastruktur und Personal. Christen erklärt es so: «Man kann den Fahrplan nicht ausbauen, wenn kein Rollmaterial und kein zusätzliches Lokpersonal zur Verfügung steht. Auch geht es nicht, wenn die Infrastruktur nicht entsprechend ausgebaut ist. Daher müssen die Ausbauschritte des Fahrplans bereits Jahre vor der Umsetzung geplant werden.»

Luzern und Interlaken als Taktgeber

Ein weiterer Anspruch an den Fahrplan: Er soll effizient und ökonomisch sein, indem beispielsweise unproduktive Standzeiten und Leerfahrten vermieden werden. Taktgeber des Fahrplans sind jeweils die Stationen mit Anschlussverbindungen in Luzern und Interlaken Ost. «Damit wir einen optimalen Fahrplan an diesen beiden Stationen haben, ­müssen wir uns nach den Anschlussverbindungen richten», sagt Christen. «Da in Luzern die Anschlussverbindungen von den verschiedenen Richtungen zu unterschiedlichen Zeiten sind, ist es schwierig beziehungsweise unmöglich, dass man für alle wichtigen Destinationen einen optimalen Anschluss anbieten kann.» Den perfekten Fahrplan wird es daher nie geben. Aber gemeinsam entstehen Verbesserungen, die das Reisen im Zug immer angenehmer machen.

Das Fahrplan-Jahr

Anfang Jahr trägt die Zentralbahn die Inputs zum Fahrplan zusammen, priorisiert sie und macht den Kantonen (Bestellern) Vorschläge für Anpassungen. Im Frühling teilen die Kantone mit, welche Anpassungen sie fix umsetzen möchten und welche Optionen offeriert werden können. Bis Ende Juni muss das Fahrplanangebot von den Bestellern definitiv abgesegnet sein. Die SBB nimmt die Anpassungen im schweizweiten Fahrplansystem auf. Im August werden die Fahrplanentwürfe kontrolliert und mit der Zugausstattung ergänzt. Anfang September müssen die Anpassungen bereinigt sein. Die Fahrplandaten werden in die verschiedenen Systeme übernommen. Mitte Oktober geht der Taschenfahrplan der Zentralbahn in den Druck. Mitte November wird der Fahrplan angeliefert und an die Reisezentren zur Auslage zugestellt. Im November werden von jeder Station die Abfahrtstabellen erstellt, gedruckt und ausgehängt. Mitte Dezember tritt der neue Fahrplan in Kraft.