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Holzbrille Header.

Filigrane Unikate aus Lungern.

Dominik Gasser, lebt und arbeitet im pittoresken Dorf Lungern. Eingebettet in eine Bergwelt, die seinesgleichen sucht, stellt er mit dem Werkstoff Holz filigrane Brillen her. Beim Blick über die Schultern zeigt er sein leidenschaftliches Wirken und wie aus einer Idee sein Broterwerb wurde.

Text Thomas Keiser | Bild Urs Stettler

Dominik Gasser ist ein geschickter Tüftler, der weiss, was er will. In seinen Augen funkelt die Begeisterung, wenn er von seinen Holzbrillen erzählt. «Nach meiner Schreinerlehre schuf ich meine erste Holzbrille mit heimischem Nussbaumholz; ich wollte ein einzigartiges Werk schaffen.» Seine Intention, ein solides Naturprodukt mit seiner Handwerkskunst zu verbinden und Einmaliges zu erschaffen, erreichte er wie viele seiner handwerklichen Absichten.

Nach einigen Momenten mit Schweissperlen auf der Stirn und vielen Handskizzen im Sack wagte er sich an die Herausforderung. Aus dem Holzrohling entstand in vielen intensiven Arbeitsschritten seine erste Holzbrille.
 

Schlagende Herzen

Beim Einglasen in einem Fachgeschäft spürte Dominik Gasser, dass neben seinem Herz auch jenes des Optikers höher schlug. In diesem Augenblick keimte die Idee auf, weitere Augengläser zu produzieren. Brillen, die durch die einzigartige manuelle Holz-Ausführung bestechen.

Gasser, ein überlegter, ruhiger und findiger Typ, war neben seinem fertigen Edelstück fasziniert von der Idee, auch für andere Brillenträger individuelle Brillen zu produzieren.

An der Brünigachse gelegen, fand er in Lungern seine Produktionsstätte in einer ehemaligen Sattlerei, die bis in die neunziger Jahre Putztaschen für die Armee herstellte. Seine drei Modelle in fünf verschiedenen Ausführungen zeigte er an einer Ausstellung. Seine schöpferische Arbeit begeisterte das Publikum, die Brillen waren im Nu ausverkauft.

«Einerseits freute mich das Echo enorm, anderseits musste ich mich gedanklich auseinandersetzen, was das für mich heisst. Ich war zu dieser Zeit in einem Anstellungsverhältnis und musste die Voraussetzung für meine Selbstständigkeit erst einmal schaffen. Ein spannender Entwicklungsprozess war es.»
 

Holz und seine Herausforderungen 

Betrachtet man Holz, spricht man vielfach von einem währschaften Material. Der Einsatz ist sehr vielfältig – vom massiven Arvenholzschrank bis zum feinen Zahnstocher scheint fast alles möglich zu sein. «Der Einsatz von Holz bei einer Brille ist sehr heikel. Ähnlich wie beim Klassiker Hornbrille erfordert die Herstellung einer Holzbrille langjährige Erfahrung und ein Gefühl fürs Material. Sie setzt ein fachmännisches Können voraus.»
Gasser setzt sich an die Werkbank, nimmt den Stabschleifer in die Hand und bearbeitet den Nasensteg. Er wirkt konzentriert, seine Hände sind flink, sie zeigen, dass Erfahrung mitschwingt. Die Arbeitsschritte sind eingeübt. Ursprünglich arbeitete er mit einer Lehre, zwischenzeitlich liegt eine kleine CNC-Maschine in seiner Werkstatt. Dennoch ist jedes seiner Modelle ein Einzelstück, von der Holzstruktur über individuelle Formanpassungen hin bis zur Farbe. 


Alle zwei Wochen geht eine Serie in «Produktion», parallel werden mehrere Stücke hergestellt. «Die Effizienz konnte ich dadurch steigern und die Optiker erhalten zeitnah die Lieferung». Gasser ist eine Einmann-Unternehmung. Sein eigener Herr und Meister zu sein, liegt in seinem Naturell. Er – der als Ausgleich zum geschäftlichen Alltag den Fischen in heimischen Seen nachgeht – kann gut für sich in seiner kleinen Werkstatt viele Stunden verbringen. Und dennoch, irgendwann juckt es ihn unter den Füssen, er greift zur Angelrute, läuft die kurze Strecke zum Lungernsee hinunter, wirft die Angel aus und wünscht sich «Petri Heil». Wie in seinem Beruf ist auch beim Fischen eine Prise Geduld eine gute Voraussetzung um erfolgreich zu sein.

Die Verbundenheit mit dem Dorf am Fusse des Brünigpasses ist spürbar. Aufgewachsen ist Dominik Gasser direkt am Bahnhof in Lungern. «Die Schlittelabfahrten vom Brünig nach Lungern waren immer amüsant. Auch als Erwachsener bin ich begeistert von den erfrischenden Schlittel-Erlebnissen. Der Winter 2020/21 war diesbezüglich hervorragend. Und ja, der Chäppeli-Chäfer der damaligen Brünig-Bahn war eine weitere Episode, an die ich mich immer wieder gerne erinnere».
 

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