Die Holzbildhauerei ist im Berner Oberland besonders verwurzelt. Davon zeugt auch die Schule für Holzbildhauerei Brienz, die 1884 als Schnitzlerschule gegründet wurde. Fun Fact: Damit ist die Schule gar vier Jahre älter als das Bahnhofsgebäude, in dem sich das Reisezentrum Brienz [MH9.1]befindet. Schule und Bahnhof – zwei Institutionen, die nun durch ein neues Kunstwerk verbunden sind.

Ein besonderer Ort

Wer das «Holzige» liebt, dessen Herz öffnet sich bereits beim Betreten der Schule: die ruhenden Werke, der Duft nach Holz und die Vielfalt der Lernenden aus allen Landesteilen schaffen eine besondere Atmosphäre. Markus Flück ist seit elf Jahren Direktor der Schule. «Diese Stimmung fördert den Zusammenhalt und die Intensität, mit der man sich auf die Gestaltung einlässt», sagt er.

Werk zeigt Verbundenheit

Im Februar 2026 gab Markus Flück den Lernenden des vierten Lehrjahres den Auftrag, Ideen für eine Skulptur fürs neue Reisezentrum zu entwickeln. Von sechs Vorschlägen wurde die Idee von Léo Kambourian aus der Romandie ausgewählt: ein Kunstwerk aus vier miteinander verbundenen Reliefs, die die vier Partner des Reisezentrums zeigen. Es sind dies Post, BLS Schifffahrt, Brienz Rothorn Bahn und Zentralbahn.  

Auf der Suche nach dem Lebendigen

Mit der Umsetzung der Idee begann die handwerkliche Arbeit. Léo Kambourian: «Es ist nicht das grösste Werk, was ich bis anhin erschaffen habe. Dennoch ist es eine Herausforderung, denn der Zeitrahmen ist begrenzt. Ich muss einfach dranbleiben und genau arbeiten. Wichtig ist, den Arbeitsbereich gut vorzubereiten.» Sein Mentor Markus Flück ergänzt: «Mit einer guten Vorbereitung kommst du zielgerichtet und Schritt für Schritt ins Projekt. Natürlich gibt es Phasen, in denen man sich fragt: An welcher Stelle mache ich weiter? Wann finde ich die endgültige Form? Wann fange ich an, sauber zu schnitzen?» Manchmal sei man extrem lange auf der Suche, man komme nicht auf das «Lebendige», wie man im Fachjargon sagt.

Sichtbare Geschichte des Orts

Die vier Reliefs sind nicht nur formal miteinander verwoben, sondern erzählen auch die Geschichte des Ortes: Vom Transport, über das Postwesen und die Bergbahn bis hin zur Schifffahrt. Die Skulptur steht mitten in der Wandelhalle des neuen Reisezentrums, so dass die Reliefs buchstäblich auf die Menschen «schauen» und Gesprächsstoff bieten.